Zeitschrift online - Ausgabe 04-10 Erlotinib in der First-Line-Erhaltungstherapie des fortgeschrittenen NSCLC zugelassen
Ende April 2010 hat der orale EGFR-Inhibitor Erlotinib die europaweite Zulassung für die 1st-Line-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC (Stadium IIIB/IV) mit Krankheitsstabilisierung („stable disease“) nach platinbasierter First-Line-Chemotherapie erhalten. Die Zulassung basiert auf den positiven Ergebnissen der Phase-III-Studie SATURN.
Die Daten der Phase-III-Studie SATURN (SequentiAl Tarceva in UnResectable NSCLC) zeigen, dass der EGFR-Inhibitor Erlotinib bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die auf eine First-Line-Chemotherapie nur mit einer Krankheitsstabilisierung ansprechen, das Progressionsrisiko signifikant um 32% reduziert (HR 0,68, p < 0,0001).
Gleichzeitig wurde das mediane Gesamtüberleben um mehr als zwei Monate (von 9,6 auf 11,9 Monate) signifikant verlängert (HR 0,72, p = 0,0019) [1]. Bei Patienten mit Krankheitsstabilisierung kommt es häufig bereits innerhalb kurzer Zeit wieder zur Progression des Tumors. Der Allgemeinzustand einiger Patienten verschlechtert sich dann dramatisch. „Gerade diese Patienten profitieren von einer First-Line-Erhaltungstherapie mit Erlotinib“, so Prof. Martin Wolf, Klinikum Kassel, auf einer Pressekonferenz der Roche Pharma AG. „Sie haben ab sofort die Chance auf eine potentiell wirksamere Behandlung, die ihnen ein längeres Überleben ermöglicht als eine Therapiepause nach der Chemotherapie.“ Dieser Überlebensvorteil wurde über alle Subgruppen hinweg beobachtet, einschließlich der Patienten mit EGFR-Wildtyp. In dieser Gruppe reduzierte Erlotinib das Sterberisiko um 35% (HR 0,65, p = 0,0041) und verlängerte das mediane Gesamtüberleben von 8,7 auf 12,4 Monate [1].
„Im Rahmen der SATURN-Studie zeigte sich erneut, dass der EGFR-Inhibitor gut verträglich ist. Neue oder unerwartete Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet“, so Wolf. Am häufigsten traten der charakteristische Hautausschlag (Rash) und Diarrhö auf. Die Auswertung der FACT-L (Functional Assessment of Cancer Therapy-Lung questionnaire)- Fragebögen ergab, dass die Nebenwirkungen keine Auswirkung auf die Lungenkarzinom-spezifische Lebensqualität haben [2].
In der SATURN-Studie wurden 1949 chemotherapienaive Patienten im Stadium IIIB/IV im direkten Anschluss an eine platinhaltige Standardchemotherapie (4 Zyklen) mit Erlotinib oder Placebo weiterbehandelt. Die Patienten ohne Krankheitsprogression nach der Chemotherapie (n = 889) erhielten entweder Erlotinib (150 mg/Tag, n = 438) oder Placebo (n = 451) bis zur Progression oder inakzeptabler Toxizität. Von diesen Patienten zeigten 487 eine Krankheitsstabilisierung nach Beendigung des Chemotherapiezyklus.
1. Coudert B el al., ELCC 2010, Abstract 2040 und Fachinformation Tarceva (Stand: Mai 2010)
2. Capuzzo F et al., ECCO/ESMO 2009, Abstract 9158