Fr, 10.09.10 - 23:38
 
 

 

Suche:  
Zeitschrift online - Ausgabe 06-09
Bendamustin bei CLL signifikant wirksamer als Chlorambucil

Annähernd ein Drittel (31%) der Patienten mit bisher unbehandelter Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL) sprachen vollständig auf die Behandlung mit Bendamustin an, während es im Vergleichsarm mit Chlorambucil nur 2% waren. Das mediane progressionsfreie Überleben im Bendamustin-Arm war fast dreimal so lang wie unter Chlorambucil (21,6 vs. 8,3 Monate, p<0,0001). Dies ergab die finale Auswertung einer großen, multizentrischen, randomisierten Studie, die soeben im Journal of Clinical Oncology publiziert wurde.


Die randomisierte, offene Parallelgruppenstudie der Phase III wurde an 45 Zentren in Österreich, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien durchgeführt [1]. 319 nicht vorbehandelte Patienten (≤75 Jahre) mit Binet Stadium B oder C erhielten randomisiert entweder Bendamustin 100 mg/m2 intravenös an den Tagen 1 und 2 (n=162) oder Chlorambucil 0,8 mg/kg Körpergewicht oral an den Tagen 1 und 15 (n=157) alle 4 Wochen für maximal 6 Zyklen. Das Ansprechen wurde gemäß den Kriterien der National Cancer Institute Working Group beurteilt. Die Endpunkte bezüglich der Verträglichkeit waren die Infektionsrate und die Nebenwirkungen.

Die mit Bendamustin behandelten Patienten erreichten ein medianes progressionsfreies Überleben von 21,6 Monaten im Vergleich zu nur 8,3 Monaten unter Chlorambucil (p<0,0001) und lebten damit im Median über ein Jahr länger ohne ein weiteres Fortschreiten ihrer Erkrankung. In der Bendamustin-Gruppe zeigte sich auch eine verlängerte Dauer der Remission (median 21,8 Monate in der Bendamustin-Gruppe versus 8,0 Monate in der Chlorambucil-Gruppe). Ein komplettes oder partielles Ansprechen wurde bei 68% der mit Bendamustin behandelten und bei 31% der mit Chlor-ambucil behandelten Patienten beobachtet (p<0,0001). Hämatologische Nebenwirkungen (Grad III-IV Common Toxicity Criteria (CTC)) traten unter Bendamustin mit 40% häufiger auf als unter Chlorambucil (19%). Schwere Infektionen von Grad III-IV waren unter Bendamustin häufiger als unter Chlorambucil (8% vs. 3%). Die Nebenwirkungen in der Bendamustin-Gruppe waren gut zu kontrollieren und von kurzer Dauer. Studienleiter Prof. Wolfgang U. Knauf aus der onkologischen Gemeinschaftspraxis, Frankfurter Diakonie Kliniken, kommentierte die Studienergebnisse: „Die Therapieoptionen für Patienten mit fortgeschrittener CLL sind derzeit beschränkt. Unsere neue Studie zeigt aber, dass Bendamustin eine signifikant überlegene Wirksamkeit mit einem gut kontrollierbaren Toxizitätsprofil vereint und so den Patienten Hoffnung auf mehr Lebensqualität über einen längeren Zeitraum als mit bisherigen Therapien bietet.”
http://jco.ascopubs.org/cgi/content/abstract/JCO.2008.20.8389v1

Dass Chlorambucil durchaus auch heute noch als ein relevanter Standardvergleich gilt, zeigt eine soeben publizierte Arbeit der Deutschen CLL Studiengruppe, die Chlorambucil mit Fludarabin bei älteren Patienten mit CLL verglich [2]. Obwohl die Ansprechraten unter Fludarabin höher waren, übertrugen sich diese im Unterschied zur Studie von Knauf mit Bendamustin nicht auf das progressionsfreie Überleben und auch nicht auf das Gesamtüberleben. Bendamustin (Ribomustin®) hat sich als wirksame und zugleich gut verträgliche Substanz für hämatologische Neoplasien etabliert und ist in Deutschland zur Behandlung indolenter Non-Hodgkin-Lymphome (NHL), der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) und des Multiplen Myeloms (MM) zugelassen. In Deutschland wird Ribomustin® seit 2007 von Mundipharma vertrieben. Das vor allem als „Schmerzspezialist“ bekannte Unternehmen engagiert sich seit 2004 verstärkt im Bereich der Onkologie. Die Zulassung für Bendamustin wurde von den Mundipharma independent associated companies in 12 europäischen Ländern beantragt. In den USA ist Bendamustin seit 2008 unter dem Warennamen Treanda® von Cephalon im Handel. In einem aktuellen Review-Artikel „Update in the management of chronic lymphocytic leukemia“ von Kami J. Maddocks und Thomas S. Lin werden die derzeitigen Therapiemodalitäten bei der Chronischen Lymphatischen Leukämie dargestellt:
http://www.jhoonline.org/content/2/1/29 (3)

Quellen:
1. Knauf W.U. et al. Phase III Randomized Study of Bendamustine Compared With Chlorambucil in Previously Untreated Patients With Chronic Lymphocytic Leukemia. J Clin Oncol 2009 Aug 3 [Epub ahead of print] 

2. Eichhorst B. et al. First line therapy with fludarabine compared to chlorambucil does not result in a major benefit for elderly patients with advanced chronic lymphocytic leukemia. Blood. 2009 Jul 15. [Epub ahead of print] 

3. Maddocks Kami J. and Lin Thomas S. Update in the management of chronic lymphocytic leukemia. Journal of Hematology & Oncology 2009, 2:29 


Quelle: Mundipharma

Übrigens: 
Der 1. ASORS-Jahreskongress „Supportive Therapie und Rehabilitation bei Krebs – State of the Art 2009“ findet am 30./31. Oktober 2009 in München statt. Näheres zum Programm finden Sie unter
www.kongresseonline.de/ASORS_2009

Beitrag bewerten (nach Schulnoten):
1 2 3 4 5 6
1 = sehr gut ... 6 = ungenügend

Stichwortsuche:

CLL

Weitere Artikel zum Thema:

ASH: Chronische lymphatische Leukämie – Rituximab plus Chemotherapie als Erstlinientherapie bessert Überlebensraten (15.02.2010)  

CLL: Rituximab in der Erstlinientherapie und bei Rezidiv (27.10.2009)  

CLL: Neuer Anti-CD20-Antikörper auch in sehr fortgeschrittenen Stadien noch wirksam (16.07.2009)  

Paradigmenwechsel in der CLL-Therapie: Therapieziel PFS statt Palliation (14.12.2008)  

Bendamustin in der Erstlinien-Behandlung der CLL: Die hohe Effektivität zeigte sich in allen Binet-Stadien (13.05.2008)  

Doppelt refraktäre chronische lymphatische Leukämie (CLL): Hohe Aktivität der Ofatumumab-Monotherapie (17.08.2010)  

Zulassung für Bendamustin in Europa (16.07.2010)  

Erfolgreiche Behandlung der therapieresistenten chronischen Leukämie mit allogener Stammzelltransplantation (05.07.2010)  

CLL und Multiples Myelom: Faltblätter informieren (18.06.2010)  

Ofatumumab europaweit zugelassen für Patienten mit refraktärer CLL (26.04.2010)  



Zuletzt geändert am: 14.09.2009

© JOURNAL ONKOLOGIE 2000 - 2010