Zeitschrift online - Ausgabe 02-09 Lokal fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren: Induktionstherapie mit Docetaxel-basierter Kombination wirksamer als keine Induktionstherapie
Die Induktionschemotherapie bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren hat durch die beiden Studien TAX323 und TAX324 enorm an Aktualität gewonnen. Patienten mit lokal fortgeschrittenen und operablen oder inoperablen Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereiches (SCCHN), die im Rahmen dieser Studien eine Kombination mit Docetaxel, Cisplatin, 5-FU (TPF) erhalten hatten, lebten signifikant länger bei signifikant besserer Lebensqualität als Patienten, die mit dem alten Standard Cisplatin und 5-FU (PF) behandelt wurden. Eine Metaanalyse, die auf dem ESMO 2008 vorgestellt wurde, liefert jetzt durch einen indirekten Vergleich randomisierter kontrollierter Studien auch den Nachweis einer Überlegenheit der TPF-Induktionschemotherapie bezüglich Gesamtüberleben und progressionsfreiem Überleben im Vergleich zu keiner Induktionschemotherapie.
In der europäischen TAX 323 (EORTC 24971)-Studie, in die nur inoperable Patienten eingeschlossen wurden, erreichten die mit TPF behandelten Patienten ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben von 11,0 Monaten; bei den nur mit PF behandelten Patienten waren es 8,2 Monate. Nach einer mittleren Follow-up-Dauer von 51,1 Monaten zeigten die Patienten unter TPF eine Verlängerung des medianen OS um 4,3 Monate im Vergleich zu PF: 18,8 Monate versus 14,5 Monate (HR: 0,73; p=0,02).
Die Ergebnisse der TAX 324-Studie, in die auch operable Patienten eingeschlossen wurden, zeigen, dass eine Sequenztherapie, die mit einem Chemotherapieregime auf Docetaxel-Basis beginnt, das Überleben signifikant erhöht: Das mediane Gesamtüberleben bei den mit TPF behandelten auf 71 Monate vs. 30 Monate bei den Patienten, die PF erhielten (HR 0,70; p=0,006). Das entspricht einer absoluten Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens um mehr als drei Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, drei Jahre zu überleben, betrug im Docetaxel-Therapiearm 62% und im Standardtherapiearm 48%.
Es existiert bislang jedoch keine randomisierte kontrollierte Studie, die den Nachweis einer überlegenen Wirksamkeit von TPF-Induktionschemotherapie versus keine Induktionschemotherapie im direkten Vergleich liefert. In einer Metaanalyse von Hitt et al., (ESMO 2008, 695PD) [1], wurden die Daten mehrerer randomisierter kontrollierter Studien ausgewertet, die TPF-Induktionstherapie versus PF-Induktionstherapie sowie PF-Induktionstherapie versus keine Induktionstherapie untersuchten. Daraus wurde mittels statistischer Analyse ein indirekter Vergleich erstellt. Darin zeigte sich eine Überlegenheit von TPF-Induktionstherapie bezüglich Gesamtüberleben und progressionsfreiem Überleben versus keine Induktiontherapie vor der Tumorresektion (Abbildung).
Abb.: Indirekter Vergleich der Überlebenswahrscheinlichkeiten
1. Hitt R et al. Docetaxel-cisplatin-based induction chemotherapy (ICT) in locally advanced head and neck cancer (LAHNC): A meta-analysis of randomized controlled trials using indirect comparisons. 695PD ESMO 2008